Vom Feeling her ein gutes Gefühl #6
Mein persönlicher Newsletter zwischen KI, Strategie, Nachhaltigkeit und Fußballweisheiten. Ein bisschen mehr Blick nach vorne als zurück.
Moin!
in der Februar-Ausgabe geht es um die Auswirkungen von KI auf die persönliche Arbeitsroutine. Neben dem kurzen Artikel findet ihr darunter die für mich interessantesten Artikel des Monats, u.a. zu folgenden Fragen:
Was kann Claude Code wirklich?
Wo schafft strategisches Denken heute noch Wert?
Werden wir immer dümmer?
Wenn euch der Newsletter gefällt, empfehlt ihn gerne weiter.
Viel Spaß beim Lesen 🦦
Benni
Von meinem Schreibtisch ✍️
Going fast, going slow.
Mein Arbeitsalltag war noch nie so abwechslungsreich und aufregend wie gerade. Ständig kommen mir neue Ideen, was ich bauen und vereinfachen könnte und überhaupt, was heutzutage alles möglich ist. Eine Art ungläubiger Dauer-Hype.
Einerseits ist es aufregend, die eigene Arbeitsroutine so maßgeblich zu verändern, andererseits fühlt sich konstant KI-unterstützte Arbeit ziemlich anstrengend an. Jede Aufgabe wird auf Sinnhaftigkeit hinterfragt, jedes Detail wird auf den Prüfstand gestellt. Und ich bin hin und her gerissen. Ich bin fasziniert von den Möglichkeiten der neuen Zeit und schaue manchmal wehmütig auf die alte Zeit - in der ich handschriftlich auf Post It’s Präsentationsstories geschrieben habe, in der Junioren eine Woche Zeit für eine Wettbewerbsanalyse bekommen haben, in der ich mich (im beruflichen Sinne) nicht konstant so getrieben gefühlt habe.
„Da mach‘ ich mir vom Kopf her keine Gedanken.“
Jens Keller
Jetzt kann man dem entgegnen „Ja gut, das ist deine Entscheidung, du könntest doch einfach weiterarbeiten wie bisher“. Das mag durch die mäßige Geschwindigkeit der KI-Transformation heute noch funktionieren, ich bin aber der Meinung, dass wir im kommerziellen Kontext mittelfristig keine andere Wahl haben als uns mit KI-ermöglichten Produktivitätsgewinnen auseinanderzusetzen.
Verglichen mit dem fordernden neuen Arbeitsalltag fühlt sich Newsletter schreiben wie ein Ausflug in eine vergangene Zeit an. Keine KI, die mir Vorschläge gibt. Kein Druck einzelne Schritte zu optimieren. Langsam, bedacht, entspannt. Wie eine Insel des konzentrierten Denkens. In einer Welt, die uns ob wir wollen oder nicht zur permanenten Optimierung drängt, werden diese bewussten Räume für ungestörtes Denken zum Luxus. Neurowissenschaftler haben dafür einen Namen: das “Default Mode Network”. Es ist der Teil unseres Gehirns, der aktiv wird, wenn wir nichts tun, genau dieser Teil ist verantwortlich für Kreativität, Selbstreflexion und das Verbinden von Ideen. Wer ständig optimiert, schaltet ihn aus.
Ungestörtes Denken kann alles mögliche sein: ein Spaziergang ohne Podcast oder Telefonieren, was Zeichnen ohne Plan oder Vorlage oder eben freies Schreiben. Fun Fact: Ich war bei dem Newsletter knapp davor mir die Struktur von KI feedbacken zu lassen, deswegen kam das Thema und die Erkenntnis genau zur richtigen Zeit: Nicht alles muss optimiert werden.
„Halten Sie die Luft an, und vergessen Sie das Atmen nicht.“
Johannes B. Kerner
KI
Claude Code und das lange Jahr der Agenten - Gregor Schmalzried
Das Jahr der Agenten kommt zwar etwas später als prognostiziert. Dafür mit umso mehr Wumms, die Fähigkeiten von Claude Code x Opus 4.5 sind wirklich beeindruckend. Viele feiern es als neuen ChatGPT-Moment, mein Eindruck bislang ist, dass es in der breiten Masse aufgrund des technischen Ursprungs (“aah, Code”) noch nicht angekommen ist, der Artikel gibt einen ersten guten Überblick.
Claude Code for Everyone - kostenloser Kurs
Ich bin vor ein paar Wochen mit dem kostenlosen Claude Code for Everyone-Kurs ins Thema eingestiegen. Der Kurs findet komplett im Terminal statt und gibt einen guten ersten Überblick, große Empfehlung. Alternativ kann man seit kurzem auch Cowork nutzen, ich persönlich habe mich mittlerweile schon komplett an das Leben in Visual Studio Code gewöhnt. 🔥
STRATEGY
So You Want to Be a Strategist - Zoe Scaman
Ich habe keine Ahnung wie Zoe Scaman so viel schlauen Output produzieren kann aber gut, wieder mal ein toller Artikel über die sich verändernde Entwicklung von Strategie-Karrieren. Gerade für Einstiegs-Jobs ist die jetzige Zeit ein hartes Los aber sie stellt die richtige Frage: An welcher Stelle kann strategisches Denken einen echten Mehrwert schaffen? Es muss nicht unbedingt shiny Werbung und dann noch Nike oder AirBnB sein, wirklich interessante strategische Fragen stellen sich auch in vermeintlich unscheinbaren Branchen.
„The need for people who can make sense of complexity, who can help organisations figure out what to do - that need is as strong as it’s ever been. Maybe stronger. (…) The people who will build careers from here are the ones who can see where value creation is actually happening. Not where it’s supposed to happen. Not where it used to happen. Where it actually is, right now, today.“
NACHHALTIGKEIT
Warum Kreislaufwirtschaft ohne Marketing scheitert - Max Mauracher
Max schlägt in dem Artikel vor die Customer Journey grundsätzlich neu zu denken, weg von reiner Optimierung auf den Kaufmoment, hin zu einer ganzheitlichen Kommunikation, die Reparatur als selbstverständlichen Teil darstellt. Da gibt es wirklich viel Nachholbedarf, der nicht alleine vom Marketing gelöst werden kann - ich erinnere mich wage an Projekte, in denen die Existenz eines Reparatur-Services explizit nicht kommuniziert werden sollte.
„Marketing muss daher verlernen und neu lernen. Verlernen, dass der Kauf das einzige Ziel ist. Lernen, dass kreislauffähige Praktiken wie Care und Repair Teil des Erlebnisses sind – und dass genau dort die Differenzierung der Zukunft entsteht. Marken, die das begehrlich machen, entwickeln ein Geschäftsmodell, das in der zirkulären Wirtschaft von morgen Bestand hat.“
SONSTIGER KRAM
The future belongs to the creative generalists - It’s nice that
In dem Artikel geht es um die Frage wie wir eine Balance zwischen aufgebauten Fähigkeiten und Offenheit und Neugierde finden, nicht bei seinem Stiefel zu bleiben, sondern sich konstant weiterzuentwickeln, egal ob mit einem Impro-Kurs, Newsletter oder öffentlichen Auftritten.
Are we living in a stupidogenic society? - No more marking
Das Beste kommt zum Schluss: Ein toller Artikel um die Frage, ob wir in einer immer dümmer werdenden Gesellschaft leben? TL:DR: Wahrscheinlich JA.
Während früher Fähigkeiten wie Kopfrechnen oder „den Weg wissen“ einen echten Wert hatten, werden viele kognitive Aufgaben mit Hilfe von KI komplett wegfallen.
“Is there a parallel now that thinking machines are getting so good? Most people don’t have to do hard cognitive labour, and technology can provide us with so much easy entertainment and distraction.
But these improvements might have created a new problem: it’s now easy to be stupid.”
Ich liebe den Satz “It’s now easy to be stupid”, da steckt so viel Wahrheit drin. Eine letzte Weisheit noch aus dem Artikel, die den Bogen zum Artikel von oben spannt:
“If your goal is to get a task done quickly, you should definitely use technology. If your goal is to develop your skills, you shouldn’t.”
Über mich:
Ich bin Benni und arbeite als Freelance Stratege. Nach Stationen in führenden Kreativ-und Markenagenturen berate ich Unternehmen dabei, KI sinnvoll in ihre Prozesse zu integrieren.
„Das sind Gefühle, wo man schwer beschreiben kann.”
Jürgen Klinsmann


